Samstag, 26. Februar 2011
No shirts, no shoes, no worries
Ihr kommt nun in das zweifelhafte Vergnügen innerhalb von kurzer Zeit sehr viel von uns zu lesen und zu sehen. Nach dem Eintrag und den Bildern zur Südinsel vom 19.02.2011, folgen nun zwei weitere Textteile und die Fotos zur Nordinsel NZs. Wenn ihr also noch nichts zu NZ gelesen habt, müßt ihr weiter unten beginnen, sofern ihr eure abonnierte BZ ausgelesen habt.
Auf nach Südamerika! Auf der Suche nach Eldorado! Bis zum bersten erfüllt mit dem Forscherdrang eines Alexander von Humboldt. Ach, ich liebe pathetische Anfänge! Da dachten wir auf dem Flug schon etwas furchtsam, nun geht es wieder los mit eigenem Klopapier und Wasser nur aus der Flasche, keine öffentlichen Toiletten im makellosen Zustand (NZ adieu) und der Rückkehr zur Langsamkeit: Einkaufen bedeutet weite Wege zu Fuß mit Gepäck, so auch das tägliche Bewegen, wenn man auf Taxis verzichtet und noch nicht die Irrwege der örtlichen öffentlichen Busse studiert hat (Bei unserem Spanisch klappt das freilich allenfalls kurz vor der Abfahrt). Erfolgreiche Tage bestehen aus Zielfindung, Realisierbarkeit theoretisch und praktisch: Organisation der Anfahrt, Anfahrt des Ziels, Zielbegehung, Organisation der Rückfahrt, Rückfahrt und Erreichen des Ausgangspunktes. Kenntnis des Namens und die Fähigkeit zur Verdeutlichung dessen gegenüber Dritten vorausgesetzt (dies alles versteht sich definitiv ohne Gewähr). Aber nun haben wir den Kopf erst mal mit anderen Dingen voll- unser Gepäck! Keine Zeit, dem Auto nachzutrauern, an das man sich schneller gewöhnt als gedacht. Schöne Grüße an Tüten-Gudrun an dieser Stelle, wir nehmen Deinen Situationswitz aus Chile als Messlatte unseres Verhaltens als Gepäcklose, nur gehen wir davon aus, dass bei Dir die sichere Rahmenorganisation etwas straffer gezogen war. Die Venezolaner wollten uns am Flughafen gewiss auf ihre (leider) spanische sprechende Art und Weise auch unter die Arme greifen, aber doch am liebsten tief in die Tasche, weil nach jedem dritten Satz die verlangende Frage nach „money change?“ kam. Man sitzt entspannt am Gepäckband auf seinem leeren Gepäckwagen und wartet, da schleicht sich von der einen Seite ein Putzmann mit Besen heran und nuschelt einem die konspirative Frage in das eine Ohr. Von der andere Seiten pirscht sich währenddessen ein möglichst beschäftigt wirkender Wagenschieber heran und säuselt einem verlockend in das andere Ohr hinein. Wir haben uns einfach mit einem erbärmlichen Kurs am offiziellen Schalter bescheissen lassen, dass ist nur was für die ganz Harten im Ertragen. Den besten Kurs bekommt man wohl an den Posadas selbst, da sind wir dran. Aber als Pfand für unsere Rucksäcke haben wir ja immerhin den Regen, wie sagt man so schön, im Gepäck- bei uns im Handgepäck. Trotz der Trockenzeit regnet es stündlich kräftig seit wir hier sind, die sollten sich lieber kräftig schinden, dass alles hier ankommt von unseren Sachen. Wenn unser Gemüt erst mal aus dem Gleichgewicht gerät... Zu was aber der Regen bei einer Ausführung Klamotten (ja, auch nur einmal Schlüpper und Socken) und den Temperaturen hier und den 3 Tagen Flughafen zuvor führt? Zu einer intensiven Entwicklung von Mikrokosmen einheimischer Bakterienkulturen par exellance. So absurd es auch mit dem uns verfolgendem Wetter und den Katastrophen ist, gibt es doch von NZ Tragisches zu berichten: Wie alle sicherlich mitbekommen haben, ist bei Christchurch ein schlimmes Erdbeben geschehen, an unserem Abflugtag. Das haben wir noch mitbekommen und so ist auch die Kathedrale, die wir im Blog erwähnten und in der wir den Gottesdienst verbracht haben, eingestürzt und es soll auch viele Menschleben gekostet haben. Dass es diesmal im Gegensatz zum Beben des vergangenen Jahres zwar auf der Richterskala niedriger ausfiel, aber näher an der Oberfläche stattfand und zeitlich genau die Lunchtime abpaßte, führte sicherlich zu der höheren Anzahl an Betroffenen. Aber da wißt ihr bestimmt genauer Bescheid durch die Nachrichten.
Doch nun drehe ich die Zeit noch ein bißchen zurück, soll Euch doch das gleiche widerfahren wie uns: Der 22.02. war ein langer Tag. Wir flogen an ihm um 21 Uhr von Auckland ab und kamen um 17 Uhr am selben 22.02. in Argentinien an. So wurde uns ein Abend in diesem schönen Land geschenkt. Buenos Aires: Die Stadt des Salsa! Tango! Theater! Nächte durchtanzt, Romantik, Straßen entlang spaziert! Hola! Kultur und Geschichte, Dramen und Schicksale! Ciao Bella!- Wir waren Steak essen und zwar große Portionen, viel und schnell, sorry. Dann die Nacht am Flughafen, wenn ihr es genau wissen wollt, auf Terminal A verbracht. In B, wo wir später einchecken mußten, war es nämlich nicht so schön. Schlechtere und ungünstiger positionierte Bänke und die Infrastruktur für uns im Flughafen Gestrandete (Stromanschluß, Klo, McD, Mülleimer, TV-Bildschirm, Sicherheitsleute) um einiges rudimentärer. Da spielte Terminal A in einer ganz anderen Liga, war einfach nicht so dreckig oder besser „messi“ da (Sorry, ich mußte den argentinischer Weltfußballer irgendwie mit reinbringen). Außerdem bekam Katja hier eine Spam-Sms sehr rüden Inhalts aus Deutschland, sowas hatten wir noch nie. Nun denn, so kamen wir jedenfalls dann nach 41 Stunden Reise an. Alles weitere dazu aber im nächsten Blogeintrag.
Wir haben rübergemacht! Unsere Republikflucht
Wie es zu erwarten war, überquerten wir die Cookstr. im Regen und segelten mit unserer persönlichen Gorch „Fog“ und einer undurchdringlichen Nebelwand in den Hafen von Wellington ein. Bei dem Wetter hätte Captain Cook noch so guten gucken können, er hätte es niemals gesehen. Aber in der Stadt war immerhin für Spektakel gesorgt. Es fand gerade der Fancy-Dress-Day statt im Zusammenhang mit dem Turnier der 7 besten Rugbymannschaften der Welt und dem Nationalfeiertag zum Gedenken an den Vertrag von Waitangi vom 6. Februar 1840. Was der beinhaltet sei dem geneigten Leser zur Fortbildung ans Herz gelegt. Nur soviel vorab, es ist eine immer noch umstrittene Übereinkunft der Maori-Repräsentanten mit der brit. Krone und machte NZ faktisch zur britischen Kolonie. Der geschichtsträchtige Vertrag von Waitangi ist die Klammer unserer Nordinselreise. Wir setzten unseren Fuß am 6.2. auf den Boden der Nordinsel und die letzten beiden Nächte schliefen wir in Waitangi in Sichtweite des leider überteuerten Parks. Wir haben wenigstens ne Tüte Süßigkeiten mit dem Aufdruck erstanden, um unsere Ehrerbietung klar und deutlich zu machen. Und natürlich auf einem Campingplatz in Maori-Besitz unser Campervanchen gebettet, was hier im Norden allerdings keine Seltenheit ist. Von den 7 ursprünglichen Maori-Stämmen, die NZ besiedelten, wandte sich nur einer der kalten Südinsel zu (Pluspunkt dieser: Weniger andere Stämme), der Rest blieb im mütlicheren Norden. Somit ist der indigene Bevölkerungsanteil im Norden NZ auch heute noch deutlich höher. Manchmal entscheidet sich der Lauf der Geschichte eben an Banalitäten, wie z.B. hier im Falle der Besiedelung NZ, dass der gefürchtete Häuptling „Kalter Fuß“ es abends gern kuschliger hatte, nachdem er ein paar Moas entleibt hatte.
In sogenannten Wellywood, die immer noch die Heimat des Peter Jackson (Reg. Herr der Ringe) ist, haben wir dann die uns durch den Regen gegebene Zeit im herrlichen Te Papa Museum verbracht. Nur zu empfehlen und natürlich kostenlos. Wir sind dann relativ flink nach Norden gefahren, haben zwischendurch in Kaitoke im friedlichen Drehort des Elbendorfes Bruchtal aus dem Herr der Ringe-Film geschlafen, um das Klischee zu bedienen (War uns nicht deshalb wichtig und kann eh nur ein bekennender Jünger dieser Filme meinen zu erkennen, der jede Szene unzählige Male studiert hat und mit der Nase raufgestoßen würde). Eine Morgenwanderung mit einem Marsch über einen Hängebrücke begonnen und ja, ich habe versucht, sie so doll ich kann hin und her zu schwingen und Katja hat es heimlich gefilmt. Sieht leider aus wie nen Schimpanse auf LSD an Gitterstäben rüttelnd und Seile reißend wie ich nach schamroter Durchsicht zugeben muß. Konnten in Jerusalem nicht im Kloster übernachten, war leider voll. Sind dann weitergefahren, aber Bethlehem kam nicht. In Wanganui haben wir unser erstes Knöllchen bekommen, aber nicht wegen meiner ersten eklatanten Geschwindigkeitsüberschreitung, sondern wegen Parkens (wir hatten sehr zum Ärger Katjas bereits 3 Dollar reingeworfen). Egal, haben wir sofort beglichen und sogar Rabatt bekommen. Und schon waren wir in der vulkanischen Mitte des Landes. Wir umrundeten den fast immer hinter Regenwolken versteckten Mount Egmont/Taranki an der Westspitze (Last Samurai mit Tom Cruise) auf dem Surf Highway und bewanderten die allseits bekannten Klamms des Tongariro National Park (Herr der Ringe, die Butze des Bösen) in einer tollen ca. 8-stündigen Wanderung durch grandiose Lavalandschaft (letzte beeindruckende Aktivität: Abgang seines Kratersees 2007) Ein leider heillos überlaufenes Highlight unser NZ-Reise wie man an den Bildern unschwer erkennen kann. Wir hatten tolle Aussichten und ein Schweineglück mit dem Wetter, das sich wahrlich gehalten hat. Dort marschierte auch ein abgefahrener Japaner mit, der zwar richtig verstanden hatte, dass man im sehr steilen und rutschigen Terrain durchaus wie beim Skifahrer „kanten“ kann und seitwärts laufen. Aber er machte es im zappelig lächerlichem Laufschritt und in einer bescheuerten Länge der Geraden parallel zum Berg, so dass man langsameren Schrittes gerade aus schneller war (trotz des ungläubigen Kopfschüttelns), aber Achtgeben mußte, nicht von ihm harakirimäßig aufs Korn genommen zu werden. Auf dem Weg dorthin haben wir noch flink die Republikflucht über den Forgotten World Highway mitgenommen, man gönnt sich ja sonst nichts. Bei der Anfahrt zur „Grenze“ malte ich mir die Szenerie aus: Wir würden auf Bataillons voller schießwütiger Soldaten stoßen willens uns am Rübermachen zu hindern, was es auch koste und wir würden freilich durch Minenfelder kurven müssen. Das Auto würde schließlich zerschossen und qualmend liegen bleiben und ich würde mit Katja auf den Armen über die Fänge des Stacheldrahtzaunes hechten, angeschossen von Helfern die letzten Meter gestützt, heldenhaft, weltweit in die Wohnzimmer übertragen: Ein Fanal der Freiheit! D-Mark! Jährliche Jahrestagfeiern mit uns beiden, Kohl, Bush sen. und Gorbi! So ähnlich war es dann auch. Whangamomona zählt 40 Seelen und erklärte sich 1989 für unabhängig. Da können wir natürlich nicht fehlen und haben mit unserer bodenständigen familiären Art etwas Ruhe in diesen Ort gebracht und inspiriert von dem hier herrschenden Geist des Widerstandes gegen die Obrigkeit mit einem Picknick pazifistisch gegen die Ungerechtigkeit auf der Welt demonstriert und die zu hohen Preise für anständigen Käse.
An Auckland sind wir nur 2x mal vorbeigedüst, offensichtlich haben wir deutliche Symptome der Stadtflucht nur vice versa. Wir haben in vulkanischen Warmwasserquellen gebadet, die in einen Fluss strömen, blubbernde Schlammlöcher und spuckende Geysire besucht (Dort standen Deutsche ,die sich ernsthaft beschwerten, das es keine Tafel mit Ausbruchzeiten hier gäbe). Haben auch eine Kulturtour mit Gesang, Rabbatz und Haka-Fatz aus Versehen geschenkt bekommen, bei der sich Japaner und peinliche Deutsche mit halbnackten Maoris mit Speeren und kriegerischer Tätowierung fotografieren lassen, haben einer riesigen Kolonie Tölpel am Cape Kidnappers die Aufwartung gemacht und das verlassene und von Maoris besiedelte East Cape besucht. Hier ist die wohl entlegenste Ecke NZ, die Campingplätze und Hostels aus dem Lonely Planet waren alle geschlossen und verlassenen Bruchbuden. Und was passiert uns als wird in der Dunkelheit auf eine Wiese ohne Klo als letzte Campingmöglichkeit vor dem Kap kommen? Dort stehen 4!!! Jucy-Wagen in letzten Tagesschimmer. Wir fielen glatt aus den Schlappen und schauten uns nach versteckten Kameras um. Wir hatten schon Angst, dass wir nirgendswo mehr ankommen und gleich mit dem Auto am Rand der Welt die Scheibe runterfallen, dann sowas. Die letzten Tage haben wir mit größtenteils Sonnenschein im Nordland verbracht und konnten sogar endlich ins Meer. Es gibt niedlich Hafenstädte wie Russel mit interessanten Geschichten wie die des Hone Heke, der hier 4x den Fahnenmast mit der brit. Fahne umhackte und dadurch Kriege entfesselte oder die Mädchenkriege, bei denen sich zwei Stämme zu Hunderten massakrierten, weil die Damen handgreiflich untereinander wurden über die Gunst eines Walfangkapitäns. Haben mit dem Boot die Bay of Islands erkundet und das Cape Reinga besucht, wo am nördlichsten Punkt NZ die Seelen der verstorbenen Maori in die Unterwelt ziehen. Mußten am Ninety Mile Beach einem neunmalklugen (hihi) Franzosen das Auto aus dem Sand schieben. Unser Fahrer meinte: „Cheers. Wir sind nur hier um Bilder zu machen, das Wasser steht gleich bis hier, no worries“ und zeigte fröhlich auf den Türgriff. Der Franzose war schon so verzweifelt, dass er nichts mehr sagen konnte, geschweige denn fähig einen Gesichtsmuskel in sinnvolle Richtungen zu bewegen. Zum Abschluß haben wir versucht, einen Kauribaum zu umarmen. Bei 14 Metern Umfang eine Aufgabe, denen nur Schwaratzkies gewachsen scheinen…
Randbemerkungen:
Ich mußte einmal dringend auf Klo und als ich auf der Schüssel saß, merkte ich plötzlich, wie alles vor mir verschwamm und Kreise zog und ich dachte, nein, nun wird mir hier noch schwindelig, schnell raus. Alles halb so schlimm, das Klo war von Hundertwasser in Kawakawa.
Im Reiseführer wirbt beinahe jede Stadt damit, die meisten Sonnenstunden zu haben und am wärmsten zu sein, da wurde ich schon langsam madig. Was ich aber am wenigsten lesen konnte, waren Jetboottouren oder jede erdenkliche „Funsportart“, mit der sie versuchen, einen natürlichen See, Fluß, Schlucht oder Berg in ein zeitgemäßes adrenalingeladenens Spektakel zu verwandeln. Kann man nicht einfach sagen: „Ah, da schaue, Weib! Ein schmucker See vor herrlichen Bergen. Laß uns davor sitzen, die Füße baumeln und den angestrengten Blick sich auf ihm ausruhen lassen.“ Nein, da muss man mit Schirmen am Boot hängen oder auf Bananen drauf rumdüsen oder von irgendwo runterspringen an Seilen oder nicht. Überall steht das: „Es gibt zwar wenig zu sehen, ABER MAN KANN GANZ TOLL JETBOOT FAHREN.“ Manchmal tut es gut, das vermeintlich spießbürgerliche Innehalten vor eindrucksvollen Naturattraktionen genießen zu können, ohne dass man auf dem größten Vulkansee ne Hole-in-One-Challenge abhalten muss oder sich aus dem Flugzeug hineinstürzt.
Der Supermarkt New World ist auf der Südinsel deutlich besser. Im Norden sollte man lieber auf Woolworth ausweichen. Das auch englisch genannte „Glockenspiel“ von den wahrlich „hölzernen“ Romeo und Julia des Turms in Stratford ist keinen Besuch wert.
Laßt Euch übrigens von dem sonnigen Wetter bei den Bildern nicht täuschen. Wir haben euch nur die schönen ausgesucht (fast) :o)
Das wars mit NZ. Sweet! Easy as that!
Die Schwaratzkies
Samstag, 19. Februar 2011
It's a Jucy kind of a journey...
Nachdem uns der Flug ungefragt 2h Zeit abgenommen hatte, haben wir so beiläufig gealtert unser Auto, einen knallgrünen Jucy Crib (warum sind eigentlich alle Camper weiß?), in der Nähe des Flughafens in Empfang genommen. Da wir damit offiziell zur „Jucy-Family“ gehören, winkt man sich auch eifrig auf den Straßen Neuseelands (im folgenden Text NZ) zu, wenn einem ein anderer Wagen begegnet. Üblicherweise geschieht das mit hektischen, abhakten Winkbewegungen des Unterarms und weit aufgerissenen Augen und Mund- nach dem Motto „man weiß ja, dass es lächerlich ist und steht eigentlich auch darüber und karikiert es deshalb mit Übertreibung“, aber eigentlich macht es den meisten doch insgeheim Spaß, denke ich. Tja, so verrückt ist unsere Familie und wenn man beim Servicetelefon anruft, wird man auch mit „Hi, here is Lucy from Ju…cy“ begrüßt, da fühlt man sich gleich wie Daheim. Die zotteligen Typen am Schalter beim Abholen machten sich noch darüber lustig, dass alle Deutschen so einen Quatsch fragen, ob das Auto bei Abgabe auch gesaugt sein soll. Nun denn: So bekamen wir natürlich ein versifftes Auto abgeliefert! Die Deutschen sind gerade auch 80% der Abnehmer und hier in Horden unterwegs wie jeder Einheimische bestätigt. Wir wundern uns auch über die Anzahl von Israelis, Schweizern und Holländern, die durch die Welt turnt. Gemessen an der Anzahl der Einwohner kann eigentlich nur noch ein geringer Teil der Bevölkerung innerhalb der Landesgrenzen ausharren. Wir können in dem Auto selbst kochen (sofern es der Wind und der Gasvorrat zuläßt), haben einen Kühler für Vorräte und einen Wassertank mit kleinem Waschbecken. Dann wir das Bett umgebaut, durch das Dachfenster den immer noch grandiosen Sternen zugesehen, sofern es freilich das sehr nasse Wetter hier zuläßt oder bei Taschenlampenschein gelesen. Katja macht das Brutzeln auf dem Gaskocher mächtig Spaß und sie ist wirklich gut mit der einen Platte, was natürlich von meiner Seite auf Gegenliebe und Unterstützung stößt :o) und sie verteidigt unser Essen und Vorräte wahrlich furchtlos und rechtschaffen gegen freche Enten, Möwen und Insekten, die wir dennoch manchmal aus dem Topf fischen müssen. Letzens ist ein Grashüpfer in den Tod gesprungen, für ein Risotto! Das muß man sich mal vorstellen…Was ein Jammer.
In NZ kann man auf DOC (Department of Conservation)-Campingplätzen schlafen. Das sind Campingareale in der Natur ohne Einrichtungen. Also meist außerhalb des Stadtbereiches auf Feldern, Wäldern oder an Seen, auf denen es gewöhnlich nur ein Plumps-Klo gibt. Also kein Warmwasser, Duschen oder beheizte, trockene Räume. Aber fließend Wasser meistens aus dem Hahn oder der Platz ist halt am Fluss oder See gelegen, zum Abwaschen etc. ok. Zum Trinken muß eben abgekocht werden. Aber im Zweifelsfall ist hier in NZ das Wasser auch trinkbar. Unseren indisch gegerbten Lederbeuteln (Mägen) kann eh so schnell kein schlechtes Wasser mehr was anhaben.
Wir fahren in der Abendsonne über malerische Felder und durch sanfte Täler, wir müssen Gatter öffnen und schließen. Dann offenbart sich eine Senkung umrahmt von bewaldeten Anhöhen mit Schafen und einem Bächlein durchzogen vor uns. Saftiges grün und eine Handvoll Autos auf sehr weiter Fläche verteilt. Irgendwo hinter Bäumen oder Bodenwellen versteckt, so dass wir uns beinahe gänzlich allein fühlen, nur bewacht von den Schäflein um uns herum, von denen wir auch am nächten Morgen geweckt werden- so war es auf unserem ersten DOC-Campingplatz bei Geraldine, ganz ohne Orks und Gollums. Dort habe ich mich, ob ihr es glaubt oder nicht, aus irgendeinem unbestimmbaren Grund heimisch gefühlt. Nur ein Thron wurde mir nicht dargeboten. Außerdem regnete es, das würde in Geraldinien nicht vorfallen. Als wir dort unseren Einkauf im Campervan verstauten, wurden wir übrigens von einem Japaner, mit der konventionellen Waffe, der Videokamera bewaffnet, dabei argwöhnisch beäugt. Er traute sich auch, ein paar Schritte näher zu kommen und durch unseren offenen Kofferraum zu filmen. Er benahm sich wie ich als Kind, wenn man bei gefährlichen Tieren im Zoo dennoch durch die Stangen fassen möchte, um die Tiere zu berühren oder überlegt, bei Freibecken in Aquarien doch ins Wasser zu fassen. Das durfte man in einem Becken in Sydney tatsächlich und da war ein kleiner Schnappfisch, der mich gleich in den Finger piekte, woraufhin ich ihm lautstark mit der Trockenlegung seines Beckens drohte und ihm prophezeite, dass er auf nem Caesars Salat von Kati enden würde, wenn er sich nicht besserte- Nein, ich stellte mich natürlich zur Seite und beobachtete amüsiert, wie sich kleine Jungen erschreckten :o) Der Japaner holte dann schnell auch seine Leute und präsentierte ihnen, was er hier Wunderliches aufgetan hatte. So ware wir umringt von 20 Personen, die Fotos von uns und unserem Auto machten.
Wir haben unseren ersten neuseeländischen Tag in Christchurch, einen Sonntag, natürlich im Gottesdienst verbracht, wie es sich in dieser Stadt an diesem Wochentag gehört. Aber ansonsten haben wir NZ relativ profan mit nem Kaffee bei McDonalds und nem Leberkasbrötchen plus Sauerkraut mittags aufm Markt begonnen. Christchurch ist noch deutlich gezeichnet durch das verheerende Erdbeben im September 2010 und somit konnten wir auch nicht in die Baptistenkirche, in die wir eigentlich wollten, da sie notgedrungen umgezogen war. Wir haben in Kaikoura auch unser erstes Erdbeben auf einer Tanke selbst (üb-)erlebt. Gefühlte Stärke 7,8 Realiät wahrscheinlich 0,5. Immerhin sind auf der besagten Tanke die Süßigkeiten aus dem Regal gefallen. Zur Feier des Überlebens hat Katja nen Eis vom Bezahlen mitgebracht. War zum Glück nicht schlimm und wäre auch unschön gewesen, wenn man mich mit freiem Oberkörper und der geschenkten weißen Adidas-Sporthose von Opa Horst auf halb 8 und den Scheibenwischer in der Hand unter dem Geröll gefunden hätte.
NZ besitzt zwar nicht ausreichend genug gefährlich Tiere auf dem Land, um mich bei Anblick einer Schlange wie in Australien magisch aus dem Auto zu ziehen. Katja hat fast graue Haare bekommen und mehrere Tage lang an meinem Intellekt gezweifelt. Dass ich nicht der Hellste bin, war ihr schon immer klar, aber dass mein Überlebensinstinkt auch so rudimentär ausgebildet ist, konnte sie sich nicht vorstellen. Ich beharre immer noch mühsam auf der Position, dass ich den Kampf gewonnen hätte. Aber im und am Wasser tummelt sich hier allerhand, das sich einem förmlich vor die Füße wirft: Süd-östlich von Christchurch waren wir auf der Banks Peninsula und haben unsere Bekanntschaft mit den seltenen Hectordelfinen und vielen Robben gemacht. Dann ging es weiter gen Süden, wo wir auf der Otago Peninsula hautnah Seelöwen erlebten. Im Rahmen einer Tour haben wir dann noch Albatrosse beim Brüten, Robben und die seltenen Gelbaugenpinguinen beobachtet. Hätten wir gewußt, dass wir weiter im Süden all diese Tiere zu Hauf noch selbst sehen würden… Denn die Catlins brachten uns sehr nahe an die Pinguine (wir sind wirklich fast raufgetreten!) und den ausgewachsenen Seelöwen schlechthin an der Cannibal Bay heran. Das war ein Monstrum, da wurde einem angst und bange.
Von dort aus sind wir zum großartigen Lake Tekapo gefahren, wo sich das Ausharren auf einen schöneren Tag lohnte und grandiose Aussichten offenbarte, denn auch das Inland lohnt sich in NZ! Wir konnten morgens eine Wanderung machen und malerisch direkt an einem einsamen See mit unsrem Auto stehen. Bei Mount Cook haben wir auf einem Gletschersee mit dem Boot versucht, ein paar Eisberge umzukippen und ich habe gehofft, dass vom Gletscher noch mal nen Riesenstück abbricht, was aber glücklicherweise nicht geschehen ist.
Wir sind an den Elephant Rocks vorbeigekommen, wo die Chroniken von Narnia spielen und auch zu diesem Zeitpunkt aufwendige Kulissenaufbauten stattfanden. Dass wir hier eh alle 3 Meter an Drehorten vorbeikommen, versteht sich von selbst und die Coolsten tragen auch noch T-Shirts auf denen steht, dass sie irgendwie Staffmember bei den Dreharbeiten von Herr der Ringe waren. Bei den Elephant Rocks trafen wir auch den Eigentümer dieses Privatgeländes, der außer sich war, endlich sein Klo für die Besucher bekommen zu haben. Das hat er uns jedenfalls als erstes ins Gesicht geschleudert und auch dann sofort in sein Handy gebrüllt. Und die Filmleute haben ihm sogar eines gemacht, das aussieht wie die es umgebenden Steinformationen, toll. Die Brille fühlte sich aber ernüchternd gleich an bei unserem darauffolgendem Sitzen auf dem Superloo. Die herrlichen Catlins brachten uns dann zum südlichsten Punkt der Südinsel. Wir befuhren den Milford Sound, fanden zwar den Weg ins Paradies, aber mußten kurz vor dem Eingang umdrehen, weil es zu sehr schüttete. Erholten uns in Wanaka ein paar Tage stellvertretend für die armen getriebenen Lebewesen, die in Queenstown sich in allen erdenklichen Varianten versuchen, zu ertränken oder sich aus Flugzeugen, von Bergen und oder Brücken zu stürzen etc. In Wanaka können wir nur ein Kino mit alter Couch und Sesseln wärmstens empfehlen, in dem es in der Pause riesige frischgebackene Cookies gibt! Unbedingt beeilen, sonst sind alle weg! Von dort aus ging es zur Westküste und dem berühmten Gletscher Franz Josef und weiter im Norden einer schönen Küstenstraße. Wieder an der Ostküste angekommen, haben wir noch sonnige Tage in Kaikoura verbracht. Wir haben Wale beobachtet und sind mit Delfinen geschwommen. Auf dieser Tour mußte Katja der rauen See einmal Tribut zollen und die Fische füttern. Hier ist es nah vor der Küste bereits über 1000 Meter tief (Und ich geh doch eigentlich nur da ins Wasser, wo ich den Boden sehe- oh mann, was habe ich da getan) und es war mörderischer Wellengang, der besonders im Wasser sehr hart war. Aber wenig später paßte bei Katja die heiße Schokolade mit Keks auch wieder rein. Das war ein lustiges Spektakel, weil man versuchte, die Delfine mit Geräuschen auf sich aufmerksam zu machen und alle sangen und quiekten durch ihre Schnorchelmasken. Katja hat mit der Nationalhymne nach eigener Aussage gute Erfolge erzielt. Damit haben wir die Südinsel für beendet erklärt und haben uns auf den Weg nach Picton gemacht, um mit der Fähre die Cookstraße zu überqueren. Da ich seit Anfang der Reise keinen Alkohol trinke, müssen wir unsere Route und Zeit in allen Ländern auch nicht nach den berühmten Weinbauregionen opfern, das trifft sich seht gut, denn so mussten wir nicht extra durch Marlborough touren, sondern konnten uns gleich nach Wellywood aufbrechen.
Randnotizen: Katja hat letztens nach einem anstrengenden Tag mit einem (eigentlich) tollen Salat ein Scherbengericht abgehalten. Wir haben gerade festgestellt, dass wir nicht mehr wissen, wann wir das letzte Mal in einem Zimmer geschlafen haben: Das war über den Jahreswechsel in Adelaide. Haben einen kleinen Vogel totgefahren, der dann mit dem Kopf unter dem Scheibenwischer steckenblieb. Ich habe ihn geborgen, am Straßenrand beerdigt und mit einem Kreuz aus 2 Stöckern bedeckt. Ruhe in Frieden, kleiner Freund. In einem Infocenter wurde ein Ehepaar gefragt, aus welchem Land sie kämen. Nach mehrmaligem Nachfragen stellte sich heraus, dass sie Wales sagten und man es doch wenigstens am Akzent merken müßte- die in den Kolonien sind doch echt zu dämlich. Ein nassforscher Traveller erklärte der Infodame, er wolle zu den Delfinen vom Ufer aus Schwimmen. Der hat wohl zu oft Flipper gesehen, das Greenhorn. Aber das letzte Wort gebührt einer Bekanntschaft Katjas: Sie hatte eines Morgens ein Mädchen im Bad, das auf dem Becken vor dem Spiegel saß und erklärte, es hätte so gerne Karies, weil ein Freund meinte, dass Füllungen so doll Spaß machen. Mensch, Tatsache! Den Freund hatte ich auch…den haben mir meine Eltern nur nie geglaubt…!
Übrigens bin ich auch ein bißchen beleidigt, dass offensichtlich niemand meinen Miranda – FANTAstisch - Scherz verstanden hat oder war er etwa zuuuuu sehr unter Eurer Würde? Unter unser nämlich nicht….
Samstag, 29. Januar 2011
Von G'day mate nach Kia Ora
Am 30.12.2010 sind wir zum Ausklang des Jahres nach Adelaide geflogen. In Südaustralien gibt es übrigens auch lutheranisch-preußische Wurzeln, was sich u.a. in Hahndorf zeigt. Es ist sehr dünn besiedelt und 75% davon sind Outback. Bei der Kontrolle am Flughafen konnte mir die Sicherheitsdame nicht beantworten, warum sich die Maschine nur 1x meldete als ich mit denselben Klamotten 2x durchlief (Ich hatte mal wieder aus Stur- und Faulheit versucht, den Laptop im Rucksack zu lassen) und ich dachte, in Indien wären die Sicherheitsvorkehrungen lax. In Adelaide brach des Problem des neuen Mietwagens mit aller Wucht über uns herein: In den nächsten Stunden erlebten wir für ein Leben genügend ungläubiges Kopfschütteln über unser Anliegen an den Schaltern von Autovermietungen. Den Tag haben wir dann also bei 40° als von Schatten zu Schatten huschende Autosuchende in den Vorstädten und Hinterhöfen Adelaides verbracht. Jedoch wenigstens ein Auto gefunden für den darauffolgenden Tag und den Rest unserer Zeit in Australien: einen zu teuren gelben Hyundai Getz, der für die nächsten 3 Wochen unser klassenbewusstes Eigenheim und die Vordersitze unser feudales Bett werden sollte. Geschlafen wurde mit voller Montur und im Schlafsack oder zu zweit unterm Bettlaken- man gewöhnt sich dran. Für Katja natürlich nicht mehr feierlich, größer als die Durchschnittsfrau zu sein, für mich wiederum mal förderlich, eher den Körperbau eines Kugelblitzes zu haben). Den Jahreswechsel haben wir auf einem Open Air verbracht und 2010 mit einem 7$! Erdbeereis offiziell für beendet erklärt. Nach dem das neue Jahr mit einem Feuerwerk begrüßt war, wurde die Veranstaltung geschlossen: „So, wir sind sicher in 2011 gelandet, kommt gut nach Hause, nehmt eure Kinder mit und fahrt vorsichtig.“ Alle packten ihre Sachen zusammen und gingen um 0:10h geordnet innerhalb kürzester Zeit. War bißchen wie nach nem Kinobesuch mit einem Film, der sehr bedrückend oder einfach nicht gut war. Neujahr sind wir dann auch früh aufgestanden, haben unsere Familien per Skype auf dem Handy angerufen und sind dann nachdem wir unser Auto abgeholt hatten Richtung Kangaroo Island gefahren (Pst, nicht der Autovermietung sagen - Kein Festland, unbefestigte Straßen). Das Risiko bei der Versicherung hat sich aber definitiv gelohnt, denn die Insel ist ein Austrlalienhighlight für uns geworden. In Südaustralien wird es übrigens deutlich später dunkel, so dass wir bis in die späten Abendstunden Sonne hatten, sofern denn die Sonne schien. Wir haben auf der Insel Nachtwanderungen mit Pinguinen gemacht und unter dem beeindruckendsten Sternenhimmel geschlafen. Das Kreuz des Südens, die Milchstraße, Orion, Mars, Jupiter und ferne Galaxien haben uns beim Einschlafen leise flüsternd ihre Geschichten erzählt. Wir sind an vielen tollen Stränden gelaufen, haben Koalas gesehen, einem Känguru in den Beutel geschaut und das Kleine sehen dürfen und Robben beobachtet. Die kleine Insel nahm und gab uns unsere große Kamera, und somit auch ein Wechselbad der Gefühle. Die Geschichte ist zu lang, aber kostete uns viele Neven, Aufwand und Tage. Aber dank der großartigen Australier hatte alles einen wunderbaren Ausgang! Am Abend als wir die Kamera wieder in die Arme schlossen, hatten wir eine lustige Begegnung: Katja sah einen offensichtlich verwirrten Mann am Cape Jervis (Nur eine Fährstation auf der Fleurieu Peninsula, sonst nichts) und dachte, sie müsse ihm helfen, wo uns doch gerade auch so viel Gutes widerfahren war. Wir hielten und sie fragte ihn auf Englisch, ob er denn etwas suche oder Hilfe brauche. Da sie sein Genuschel nicht verstand, fragte sie öfter, bis ich vom Beifahrersitz versuchte, ihr klarzumachen, dass ich meinte, ein tief thüringisches „Ich such nix“ mit sehr schwerere Zunge verstanden zu haben und sie doch mal nach seiner Herkunft fragen sollte. Er bestätigte die Vermutung, woraufhin Katja uns auch zu erkennen gab: „Schön, wir sind auch Deutsche.“ „Na, dann ist ja gut“, war seine Antwort. Jedenfalls schien er nichts zu suchen, was er nicht schon tief im Glas gefunden hätte, aber hatte Katjas Fürsorge auch nicht richtig zur Kenntnis genommen. Nachdem wir nun verspätet weiterfahren konnten, führte uns die Route an der Limestoneküste entlang Richtung Victoria. Wir absolvierten einen langen Tag von Victor Harbour nach Mt. Gambier. Sahen viele Pelikane an der Küste, den im traurigen Kingston hinvegetierenden Larry the Lobster, haben in Robe herrlich frisches Fish n Chips am Hafen gegessen und dann mit Halt in Beachport nach Mt. Gambier weitergedüst. Dort auf dem Campingplatz trafen wir ein glückliches Pärchen aus Südaustralien mittleren Alters, die in ihrem glücklichen Mikrokosmos lebten und durch und durch frisch verliebt waren. Sie freuten sich über alles, auch darüber, dass sie sonntags mal gerne pro Richtung 300 Km für nen anständiger Burger fahren und wir da in Europa schon Grenzen überqueren. Haben von ihnen ne Taschenlampe geschenkt bekommen (hielt nicht lang) und auch kostenlos geschlafen auf dem Parkplatz, da die Besitzer des Campingplatzes nicht kamen: Geld gespart und umsonst geduscht mit Absolution der Camper. Am nächsten Tag haben wir die Grenze nach Victoria überquert und erst mehrere Tage später festgestellt, dass wir 30 Minuten Zeit unterschlugen, weil wir nicht wußten, dass wir die Uhr hätten umstellen müssen (Dadurch haben wir fast an der Hauptattraktion der Great Ocean Road den Sonnenaufgang verpaßt und der ist naturgemäß sehr zu früh, um ihn dann zu verpassen ohne Gefühlsmäßig aus dem Gleichgewicht zu geraten). In den nächsten Tagen bis Melbourne folgten wir der grandiosen Great Ocean Road. Alle paar hundert Meter gibt es beeindruckende Aussichtspunkte und an einem Stück Straße tummeln sich offensichtlich die letzten Bestände der weltweiten Koalapopulation, denn man mußte beinahe ein Zweig suchen, in dem keiner saß. Standen in einem Dorf am Meer plötzlich im Stau und zwar ziemlich lange. Der Grund: der jährlich stattfindende Peer to Pub-Swim. Gutes Timing. Sehr anstrengend sind auch die Fliegen, die einem auf alle feuchten Körperstellen gehen: Augen, Mund, Nase, aber auch in die Ohren. Vor Torquay sind wir zum berühmten Surfstrand, an dem jährlich die Weltmeisterschaften an Ostern stattfinden (Bell Beach). Verregnet, keine Wellen, keiner da, aber in der Stadt wenigstens im Surfoutlet gewesen. Melbourne ist eine tolle Stadt, die Australien Open verpassen wir leider und der Regen lies uns auch nicht aus seinen Fängen, aber unsere Zeit ließ eh nicht langes Verharren zu. Auf der Weiterreise haben wir eine Ausstellung zu Teekannenwärmer besucht, uns über das Ordnungsamt in Australien gefreut, sind am 90 Mile Beach entlanggedüst, durch Nationalparks, in denen wir nicht mehr anhalten konnten, haben auf Parkplätzen geschlafen, mit dem Laptop einen Film gesehen und dabei Nachos und Pizzy im Auto gegessen, mit Pelikanen um Fische gestritten , Poliezikontrollen überstanden und sind fröhlich in Sydney angekommen. Haben dort 2 wundervolle Tage verbracht ( Ein Deutscher sollte uns vor der Oper fotografieren und vollbrachte das Kunststück, die Oper nicht auf das Bild zu bekommen) und mußten dann schon viel zu früh Australien verlassen. Aber noch ein Nachtrag zum Ende: Zum einen: Wir sind auch durch Miranda gekommen- eine fantastische Stadt. Zum anderen: In Drysdale haben wir für Elmar eine schöne kleine Touribahn fotografiert, als eine nette Frau mich heranrief, umarmte und mir auf den Hals küsste und sagte, dass ich absolutely gorgeous sei. So, laßt Euch das gesagt sein, damit ist mein Tag gerettet, ihr wißt die Wahrheit und der Bericht sei beendet.
Anbei die Bilder zu Australien, damit ihr das Land auch noch einmal bei Sonne seht. Hier muß man auch mal sagen, dass von Katja fast alle tollen Bilder kommen.
Mittwoch, 29. Dezember 2010
….Würstchenkette!
Wir hatten heute einen tollen sonnigen Tag auf dem Meer mit Schnorcheln und Tauchen im Great Barrier Reef, was wir nicht mehr zu träumen wagten. Katja konnte sogar mit einer Schildkröte tauchen, damit war all der Regen wettgemacht.
Weihnachten haben wir mit Mara und Golo hier in Cairns gefeiert. Am 24.12. waren wir abends in einer Kirche, haben Lieder gesungen und danach sind wir zum Kaffee und Kuchen eingeladen worden, die Einladung war unmißverständlich und Widerrede wurde im Keim erstickt. Dann sind wir im strömenden Regen, unser treuer und uns ergebener Freund, Richtung Caravanpark-Heimat geschippert. Unter der Veranda unseres regendichten Domizils konnten wir noch halbwegs trockenen Fußes unser Essen grillen und spielend den Abend ausklingen lassen. Am 25.12. mußten wir bereits nach 2,5 Wochen die beiden Richtung Deutschland in die ungewisse Eiswüste der europäischen Flughäfen und freidrehenden deutschen Transportmittel verabschieden (Sie sind angekommen). In Europa herrscht das Schneechaos, hier regiert der Regen: Sturm, Überflutung, gesperrte Straßen, abgedeckte Dächer und evakuierte Viertel, also genau die richtige Zeit, um den geordneten Rückzug anzutreten, was wir morgen früh in die Tat umsetzen. Hier beteuern die Menschen lustigerweise, dass es der schlimmste Regen seit mindestens 30 Jahren sei. In einem Reisebericht, den ich gerade lese, sagen sie das bereits im Jahr 2000 als es so stark regnete.
Doch nun folgt der Rückblick der letzten drei Wochen. Lehnt Euch zurück, holt den bereits etwas trocken gewordenen Rest der Weihnachtsschokolade raus, den ihr auch keinen verspäteten Gästen mehr andrehen oder weiterschenken könnt, macht einen heißen Kakao, stellt begleitende Musik an und befehlt jemandem bereits das Käsefondue vorzubereiten….
Unsere letzte Meldung kam von Kho Phi Phi Ende November. Ich möchte noch zu Thailand für die Fußballer nachtragen: Ich habe auf einer Insel, die beinahe weniger Einwohner als eine Fußimannschaft hat, live St. Pauli gegen Werder gesehen und Champignonsleague! Ansonsten schauen die gerne englische Liga. So weit dazu. Nach unseren ausgiebigen Schnorchel,- Tauch- und Strandvergnügungen im Golf von Thailand, die länger ausfielen als eigentlich geplant, war es dringend an der Zeit, unseren Weg mit einigen Tagen Verspätung über Phuket nach Malaysia und Singapur zu machen. Die delikate Ein- und Ausreis nach Malaysia und dann Singapur klappte problemlos, trotz fehlendem Ausreiseticket und nicht kontrollierten Taschen auf möglichen Drogenschmuggel, der hier ja durchaus noch mächtig bestraft wird, wurde Katja dann doch aktenkundig bei der örtlichen Polizei. Diesmal hatte ich keine Peitsche dabei, aber ein Gegenstand, der in Singapur unter das Waffengesetz fiel und wir also pflichtbewußte, aber leider auch bis auf die Zähne bewaffnete Touristen auch bekanntgeben wollten. Wir wollten es einfach nur da lassen und unseren Bus zur Weiterfahrt bekommen, aber nein, es kam anders. Der erste Sicherheitsmann erkannte den gefährlichen Gegenstand gar nicht, dann wurden Dokumente ausgefüllt und Katja mußte (sie hatte ihren Ausweis zur Verfügung gestellt) in die weitläufigen Katakomben des Einreisecenters der resoluten Beamtin folgen- ich durfte mit freundlichen Nicken passieren und die schwülwarme Luft der neugewonnen Freiheit erleichtert einatmen. Katja wurde dann auch noch unversehrt entlassen. Die Busfahrten verliefen mit den normalen Ärgerlichkeiten, die dann auch einmal von einem arroganten Typen mit den Worten „This is Asia, you are not in Europe!“ kommentiert wurde- Und Du rüttelst wohl am Ohrfeigenbaum, oda wat, Freundchen? (Danke, Golo). Ein anderer Bus hatte 1,5h Verspätung, aber der Fahrer verließ dennoch unseren Bus gleich nach der Abfahrt, kaufte sich schweigend einen ganzen gegarten Fisch irgendwo auf einem Markt und schmiß ihn in einer Tüte hinten zu uns in den Minivan. Er stieg dann auch noch einmal später einfach aus und wir konnten ihm beim Shoppen und parlieren zusehen. Sinn für Kurzweil, der Mann. Malaysia und Singapur haben wir im Sturm genommen und nach 5 Tagen wieder verlassen.
Am 07.12. haben uns in aller Frühe Mara und Golo in Brisbane erwartet, die bereits 2,5 Wochen mit dem Auto die Ostküste von Sydney gen Norden gefahren sind. Sie verfügten bereits über genügend Regenerfahrung, um eine gewisse bittere Ernsthaftigkeit im romantischen Wort „Campen“ erkennen zu lassen. Ich war mir zuvor bewußt, dass es kein Zuckerschlecken ist: Das Leben in der Wildnis und auf der Straße ist eben hart, entbehrungsreich und einsam. Ein Spielball im Wankelmut der Naturgewalten und der einheimischen Camperhorden: Oh ja, ich sah uns schon, die verwegenen Trapper Gorgous Gerry und Grumpy Golo mit ihren herrlichen Frauen Caramel Katja und Marvelous Mara am Gaskocher unter dem Kofferraumdach feig vor dem Regen duckend mürrisch unsere Fertig-Lasagne im Topf machen. Äh, falsch, das wollte ich nicht schreiben, so war es natürlich: Mit Kippe im Mundwinkel und gleichzeitig Kautabak spuckend kauend, Bohnen im zerbeulten Topf auf dem offenen Feuer kochend, der Sattel als Lehne, alles hat seinen Sinn in der Prärie, was keinen hat, das macht Sinn. Wir reden über die letzten Diebe, die wir zur Strecke gebracht und gehängt haben und das wir das nicht für den Ruhm machten, sondern aus Überzeugung und Gerechtigkeitssinn. Die Pferde grasen im Hintergrund vor dem Sonnenuntergang… Plötzlich im Schatten der Büsche meine ich ein Augenpaar zweier Komantschen den Feuerschein reflektieren zu sehen, auf in den Kampf Mann gegen Mann! Gott bewahr, es waren nur Katja und Mara nach der Abendtoilette vom klimatisierten Klo, Dusch, Wäscherei- Komplex in der Mitte unseres modernen Top Tourist Caranvanparkes mit 4 Sternen direkt neben dem Tennisplatz und dem Fernsehraum. Da haben die beiden aber Glück gehabt, dass ich sie nicht für feindlich gesinnte Indianer auf der Suche nach einem Skalp gehalten und ihnen eine Kugel geschickt hätte, knapp wars immerhin. Das sprach ich auch gewichtig aus. Na gut, ich durfte nicht mehr Benjamin Blümchen als Cowboy hören. So müßt ihr Euch es ungefähr vorstellen. Na gut, die Realität liegt sicherlich irgendwo in der Mitte.
Wir schliefen friedlich in den Zelten, kochten auch mal Bohnen und Linsen, wachten morgens früh vor 6 auf den Punkt gegart in knallender Sonne auf, flüchteten mit den Zelten in eine offenen Küchenzeile, wo wir uns mit einem anderen Paar den Betonboden teilten, abgesehen von den sich im Licht offenbarenden Vielfalt des australischen Regenwaldes, flüchteten in ein Hostel, da der Sturm und Regen die Zelte durchdrang. Somit war alles dabei. An Maras Geburtstag in Maroochydore wurde gesurft und ich dokumentierte die grazilen Stehversuche der Landratten auf den Brettern, die die Wellen bedeuten. Sie stellten sich gut an, aber Golo geht als unschlagbarer Wellenreiter aus dem Urlaub. So wie er sich dort bewegte, könnte man direkt Voltigieren vorschlagen. Wir fuhren auf das grandiose Fraser Island über das unglaublich verregnete Rainbow Beach und Hervey Bay mit Dünen und versteckten Seen mit, klaren Regenwassersee und einem Sonnenaufgang um 4 Uhr, natürliche Pools direkt an der haiverseuchten Küste, wilde und zahme Dingos, festgefahrene Jeeps im brutal heißen Sand. Wir hatten auch perfektes Wetter, obwohl es die Tage zuvor wieder fürchterlich geregnet hatte. Weiter ging es unter anderem an Bundaberg und Rockhampton vorbei. In Bundaberg steht die berühmtes Destilliere und meine Lieblingsgeschichte ist, dass die Fabrik einmal abbrannte und sich das zuckersüße Feuerwasser in den Fluß ergoß und reihenweise Fische bis zur Bewußtlosigkeit abfüllte, so dass diese heillos betrunken und hilflos an der Oberfläche trieben oder auch am Alkohol betrunken ertranken. Jedenfalls starker Abgang - wie der Rum wahrscheinlich auch. Da unsere Erfahrung mit Fraser so gut war, versuchten wir dem Wetter vom Festland auf die nächste Insel zu entkommen: Great Keppel Island. Das Wetter war wie erhofft sagenhaft und die Insel war sehr verlassen. Wir machten eine Wanderung durch den Wald und erfreuten uns an dem Mangel am kartografischen Verständnis und fehlenden Eifer der Aktualisierung von Wegen der Inselbewohner, selbst wenn man den Wisch einer Karte zum Hinter abwischen hätte nehmen wollen, hätte man nicht den Weg zu den betreffenden vier Buchstaben finden können. Als wir auf einem Hügel plötzlich wilden Ziegen gegenüberstanden, wunderten wir uns nicht schlecht. Ein Engländer meinte, dass das vor langer Zeit eine Maßnahme gewesen sei, Ziegen auf Inseln auszusetzen, um eventuellen Schiffbrüchigen Nahrung zu bieten. Sehr edle Geschichte, aber den Wahrheitsgehalt kann ich nicht beurteilen, wir haben jedenfalls trotz aufkommenden Appetits unsere Selbstlosigkeit bewiesen und dem nächsten verlorenen Wanderer das Viech überlassen. Ansonsten gab es auf der Insel mehr Opossums als Menschen. Wir konnten noch einen kurzen Abstecher in die Anfänge des Outbacks nach Charters Towers unternehmen, wo jedoch noch alles frisch und grün war, welche Wüste hätte auch diesen Wolkengüssen noch Trockenheit entgegensetzen können? Dann waren wir auch schon in Carins angekommen.
Wir wünschen Euch einen guten Start in das neue Jahr und werden uns so schnell wie möglich wieder melden
Eure Schwaratzkies
Freitag, 24. Dezember 2010
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Sonntag, 28. November 2010
Die Abenteuer von Geröll-Gerald und Kamikaze-Kati
Zu den Fortbewegungsmitteln: Nachdem wir nun dachten, nicht mehr gezwungen zu sein, in wahnwitzigen Busfahrten um unser Leben zu fürchten, entschieden wir in unserem weltmännischen Großmut, es freiwillig aufs Spiel zu setzen. Im Reiseführer war eine spektakuläre Höhle aufgeführt mit 1,5h Marsch (Ich verwette meine letzte Unterhose, dass keiner der Autoren da war) Wir sind eine vermeintliche „Treppe“ hinunter gestolpert und die Höhle war auch eher als Mausoleum gedacht. Aber ihr wisst ja: Unkraut vergeht nicht. Katja hatte wohl Glück… Der Weg war steil, naß und glitschig auf zerbröckeltem Gestein. Es war schwül und dschungelmäßig bewachsen und am Berghang, d.h. linker Hand ging es nur abwärts, einziger Halt die körperlangen Netze der freundlichen Spinnen, die hier in beträchtlicher Anzahl herumhängen (ja, auch über dem Pfad, der Blick nach oben lohnt sich). Die Höhle selbst war wie bereits angedeutet noch nicht vollends „erschlossen“. Ich hatte das Gefühl, dass manche nur darauf warten, dass jemand mit Kopflampe in die Dunkelheit stürzt, damit sie vielleicht erkennen können, wo dort der Abgrund endet. Wir konnten dennoch unseren Forscherdrang in dieser Hinsicht glücklicherweise zügeln. Ihr werdet bei den hoffentlich bald folgenden Bildern ein bißchen erkennen können, wie es war, ohne Guide, adäquate Beleuchtung, Ahnung etc. an Seilen, Leitern oder einfach mit Händen und Füßen dort irgendwie voranzukommen- und auch zurück. Die Höhle war dennoch grandios! Auf der Rückfahrt haben wir dann wieder unverbesserlich den Einheimischenbus genommen und der wollte auch gleich an einer Stelle, an der ein Traktor stehengeblieben war und ein Jeep beim Vorbeifahren abrutschte, zeigen, dass er es besser beherrsche. Wir saßen mitten im offenen Jeep (innen ca. 25 Mann/ auf dem Dach ca. 20 -auch Säuglinge). Das Dach durfte vor dem Versuch geräumt werden, wir, der Innenraum- vom „Außen“ getrennt durch 2 Metallstreben und ein Blechdach- nicht. Ein Brite hob von draußen noch mit einem mitleidigem aber versucht aufmunterdem Grinsen den Daumen- Cheers mate. Zum Glück war die Reparatur des Traktors schneller! Aber es ging auch geruhsamer zu. Wir hatten bereits zweimal großmäulige Fahrrad-Rikschafahrer, denen ich schieben helfen mußte, weil er nicht mal Katja den Berg hochbekommen hat, geschweigen denn meine Gewichtigigkeit.
3 Fahrtstunden vor Kathmandu stoppten wir in einem Dörfchen, auf das wir uns sehr freuten, da hier immer große Schlacht-/Opferfeste stattfinden. Der Preis dafür war eine sehr teure Seilbahnfahrt mit einer natürlich Schweizer Bahn auf das Bergdorf hinauf. Jedenfalls war das Ende der Geschichte: Heute ist der einzige Samstag im Jahr, an dem das große Spektakel nicht stattfindet: Kein Blut, keine mit einem Hieb angeschlagenen Schafsköpfe, kein Aussuchen der Fleischstücke, die man nachher zum Essen haben will nur Kosten und Mühe. Nepal happens. Feiertage sollen ihnen ja auch gegönnt sein, fahren wir einfach runter und weiter nach Kathmandu. Bahn hat 3 Std. Mittagspause? Ok, dann fahren wir halt später oder morgen, kein Thema. Wie, Bahn fährt nur noch heute Nachmittag, dann 3 Tage nicht mehr? Na denn, runter und ab in den Bus. Wie, kein Bus? Kann doch nicht sein? Ah, Feiertag, hm…? Wir aus purer Verzweiflung dennoch runter und es kam noch ein Bus, aber Katja saß auf einem Platz für Kleinwüchsige in der letzten Reihe (ihr wißt, was das für Kopf, Knie und Schultern bei Steinen und Schlaglöchern bedeutet). Ich saß im Gang auf einem Bastschemel, bis jemand ausstieg. Dennoch sind wir angekommen und haben nach gefühlten 4000 Anfragen endlich für eine grandiose EINE Nacht vorerst ein Zimmer gefunden. Insgeheim hielten wir schon nach einem Stall und den 3 Königen Ausschau. In Kathmandu, einer tollen Stadt, haben wir dann eine lebende weggesperrte Göttin von unter 12 Jahren gesehen, die nach ihrer „Frauwerdung“ dann keine mehr ist und auch als schlechte Partie gilt (sie bekommen auch keine göttliche Rente). Die armen Mädchen (inthronisiert mit ca. 3 Jahren) dürfen nie das Haus verlassen und zeigen sich kurz am Fenster, wenn genug Spenden dargebracht wurden. Ein erbärmliches Dasein. Ich hätte gerne Lego durch die Fenster geschmissen als sie sich zeigte. Wir hatten dann noch Erlebnisse mit einem Taxifahrer, der zwar kein Englisch konnte und auch nicht wußte, wo wir hinwollten, aber trotzdem nicht anhalten wollte und uns beinahe in einen Fluß gefahren hätte. Unsere Lösung: Geld nach vorne schmeißen und als er kurz unaufmerksam war (Wir standen zwischen Slum, Fluß und Leichenverbrennungen, in die er hineingefahren war und wo er auf einem Radius von 4 Meter wendete und beinahe die brennende Kinderleiche und die weinenden Frauen ins Wasser schmiss) haben wir die Tür aufgerissen und sind ausgestiegen. Ich konnte dann noch ein Altenheim bewundern, das Katja bereits mit ihrer Mutter vor ein paar Jahren angesehen hatte. Super, da sollte mal das Johannisstift einen Ausflug hin machen. Hier wurden auch einheimische Schul- und Ausbildungsklassen hingeführt, die die Leute befragten und anglotzten. Etwas delikat erschien die Nähe zu den Verbrennungsghats und die Holzhaufen, die vor der Tür lagen, als ob sich schon jeder Dahinsiechende die Scheite seines Vertrauens reservieren dürfte, welch Privileg! An den Ghats selbst war viel los, um sarkastisch zu sein: es brannte sozusagen die Luft. Viele Touris stört das natürlich nicht und die schaffen es beinahe, das Feuer aus den brennenden Leichen herauszufotografieren.
Die weiteren Tage in Kathmandu haben wir größtenteils auf der Toilette verbracht, man holt sich die Lebensmittelvergiftung natürlich beim Italiener. Alle Wortspiele dazu mit Kathmandu / Kackmandu kennen wir schon, ok? Klo verstopfte dann natürlich auch, was beim synchronen Durchfall ein Problem darstellt. Ihr wollt wahrscheinlich nicht wissen, wie wir gehaust haben. Der Flug nach Bangkok war zum Glück kurz und ohne Zwischenfall von uns absolviert, aber meine Indiana-Jones-Lederpeitsche aus Agra wurde leider einkassiert, wenngleich wir mit 3 Liter Wasser durch die Sicherheit konnten, jetzt hätte ich den Kapitän zwar ertränken, aber wenigstens davor nicht auspeitschen können.
Nach den glitzernden Tempeln in Bangkok und dem guten Essen sind wir auf die Insel Koh Tao gefahren, wo Katja ihren Tauchschein gemacht hat und sich wirklich gut angestellte und mit großem Lob ihres Tauchlehrers verabschiedet wurde. Mein Element ist es definitiv nicht. Aber das Wasser reicht mir immerhin zum Trinken und Waschen.
Wir wünschen Euch einen schönen 1. Advent von der Insel Koh Phi Phi! Die Insel ist nicht groß, aber ein herrlich schönes tropisches Paradies und wie der Name schon sagt, kann man hier sehr gut sein kleines Geschäft machen. Abgesehen von Geralds kindlichen Fäkalwitzen wurde hier der Film „The Beach“ mit Leonardo DiCaprio gedreht und selbst beim Schnorcheln vom Strand aus kommen große, bunte Fische neugierig auf einen zu.
Schuessi, eure Schwaratzkies
Donnerstag, 4. November 2010
Back from the Trek - Aus dem Schatten der Eisriesen
Unser letzter Bericht erfolgte aus dem indischen Varanasi. Von dort aus sind wir mit dem Bus zur Grenze nach Nepal gedüst, die wir per pedes überquert haben. Gefahren sind wir mit einem Nachtbus, der uns um 4.30 im Nirgendwo raus gelassen hat. Aber wo ist nun die Grenze? Scharfschützen? Minen? Aber natürlich nachtaktiv- die ewig emsigen Taxifahrer, die einen überall hinbringen wollen. Der eine sagte, das Ausreisebüro sei nach Norden und die Grenze nach Süden und die anderen beteuerten es uns andersherum, Überfall wahrscheinlich all inclusive. Um halb 6 kam dann ein zerzauster Inder im Unterhemd und setzte sich, um unsere Ausreise offiziell zu genehmigen. Dann wollten sie doch glatt 50 Rs für die Stempel. Katja sagte wie aus der Pistole geschossen, dass sie nicht für Stempel zahle und ging. Ich bin dann hinterher einfach. Schnell geschaltet meine Frau. Die meisten lassen sich bestimmt überrumpeln oder wollen um die Uhrzeit nach der Fahrt einfach nicht diskutieren und hätten gezahlt. Hätte mir auch passieren können. Dann sind wir unter dem Schlagbaum hindurch aus Indien hinaus. Waren 200 Meter im staatenlosen Territorium. Schade, dass ich keine Flagge und ne Hymne dabei hatte, sonst hätte ich Geraldinien gegründet. Population 2: King Gerkules und Citizen Katja. Steuerfrei versteht sich.
Nun also das nepalesische Einreisebüro suchen. Es war selbstverständlich noch nicht offen. 15 Min später bewegte sich ein Rollo mit aller gebührenden Ruhe in die Höhe und wieder ein schnieker Mann im Unterhemd. Der machte jedoch erstmal 20 Min Hausputz und wischte sogar die Regale aus- alles vor unseren Augen. Der konnte das doch nicht ernst meinen, sowas machen die doch alle 5 Jahre nur. Irgendwann ging es los, das Arbeitstempo spottet jeder Beschreibung. Einen Zeitung in Zeitlupe, so dass jede Meldung schon ins Archiv könnte, ausgebreitet. Dann akkurat darauf die Stempel und im 90° Winkel dazu die Stempelkissen angeordnet. Herrlich!
Sind in Pokhara angekommen, sehr entspannte und saubere Stadt wunderschön am See gelegen und von dort nach ein paar Tagen zu einem Trekking aufgebrochen- ab in die Berge mit Flugzeug. Im Wartebereich gab es nicht mal eine Anzeige, man musste die ankommenden Flugzeuge einfach aus dem Fenster erkennen und dann aufs Flugfeld laufen. Alles kleine Propellermaschinen, dann unsere: Kleiner, älter etc. Katja war bedient bereits und zu Recht, denn der Flug war grenzwertig. Wir sind ab Mukhtinath gelaufen und haben damit ca. ein Drittel des Annapurna Circuit geschafft, wem was das sagt. Haben dort noch ne Mütze und Handschuhe gekauft wegen der Kälte. Abends war es in den Gästehäusern immer sehr gemütlich, alle an einem großen Tisch gesessen und mit Feuer drunter. Schlafen mit Schlafsack und Extra-Decken und komplett angekleidet. Ab 16 Uhr wird es sehr kalt und schnell duster und dann ab 17 Uhr meistens kein Strom mehr. Das Wetter war die ganze Zeit super und die Landschaft toll: Tiefe Schluchten, sonnenbeschiene Berge mit schneebedeckten 8000er-Gipfeln, breite Täler, schmale Täler und Flussläufe tief unten im Tal, vorbeiziehende Yakherden…. Aber ab Punkt 11 beginnt ein brutaler Wind. Staub überall. Man wird andauernd von Träger überholt, die mit 2 riesigen Rucksäcken an einem vorbeisprinten. Gehalten werden die Rucksäcke mit Gurten am Kopf. Manche binden sich auch Hühner auf die Rucksäcke noch mit drauf, die brechen deshalb bestimmt immer vor den Westlern auf, damit die das nicht sehen. Katja fühlt sich hier pudelwohl und beschreibt einen Nachmittag so: „Ich sitze hier mitten in Nepal auf einem Dach, mitten im Himalaya, die Sonne strahlt, ich schaue auf kristallklare 7000ender Gipfel, hinter mir sortieren 2 Frauen im Gras sitzend die Wäsche, gegenüber bewacht eine Frau auf dem Dach die Maiskolben und Kürbisse, die auf ihrem Dach trocknen und eine 4. Frau sitzt auf ihrem Dach im Schneidersitz mit ihrem knatterten alten Nähmaschine und näht, um mich herum Apfelbäume. Kann die Welt noch besser sein?“
Jeder Meter nach unten von 3900m auf 1200m verändert die Landschaft und die Temperatur. Die Dörfer anheimelnd- alte Steinhäuser, enge Gassen, alles sauber, gefegte Straßen, nette Menschen, schöne Klöster. Lustige Begegnungen hatten wir auch: Ein Nepalese war nach eigener Aussage mal Parlamentarier und gut bekannt mit Joschka Fischer. Hm, ja klar und Katja ist die kleine Schwester von Angela Merkel, Zufälle gibt es…. Katja hat zum Glück vom einem Träger noch die wichtige Information bekommen, dass eine Strecke, die wir mit dem Bus abkürzen wollten zu gefährlich sei, um sie zu befahren, weshalb wir sie laufen sollten unbedingt. Glück und danke Katja! So kann sich eine Konversation lohnen, die ich wohl nicht geführt hätte, um meine Ruhe zu haben. Eine tierische Begegnung hat uns auch eine unentspannte Nacht beschert. Wir hatten mehrmals Besuch einer Maus-Ratten-Maulwurfmischung, die knisterte und fiepte und unsere Taschen durchwühlte. Da ich es nicht fangen und verspeisen konnte, kann ich nicht mehr darüber berichten, wenn ich aus Kathmandu bißchen von unseren kulinarischen Erlebnissen berichte.
Um nach Pokhara zurück zu kommen mussten wir wieder Busfahrten ertragen, die diesmal über mein Maß an erträglicher Lebensmüdigkeit weit hinausgingen: Zersplitterte Scheiben, Sitzen an offenen Türen mit dem Abgrund im Rücken etc., aber sind gut angekommen, dennoch werde ich sehr froh sein, wenn wir die Berge in dieser Hinsicht verabschieden können! Nach einem Umsteigen bekamen wir die schlechtesten Plätze im Bus, so eng, dass wir nicht reinpassten und die Kante der Ablage begann dort, wo mein Kopf hätte sein müssen, was bei den Schlaglöchern, die hier auf der „gut ausgebauten Straße“ lauern zu einem erheblichen Verlust an mir nötigen verbliebenen Gehirnzellen geführt hätte, das hätte ich mir nicht leisten können. Klingt zwar lustig, aber hätte es nicht geklappt, dass wir uns einfach eine Reihe davor gesetzt haben, dann hätten wir im Gang stehen müssen. Eine Gruppe junger, kleiner und betrunkener Nepalesen war es egal, dass wir auf ihren Plätzen saßen. Die haben dafür stundenlang Party gemacht, gegrölt, laut Handy gehört und mitgesungen etc.
Wir haben also die Wanderung wunderbar gesund überstanden, außer, dass wir froh waren, nicht mehr mit Turnschuhen durchs Gebirge zu laufen.
Indien ist nach doch ganzen 7 Wochen schnell an uns vorübergezogen und nun befinden wir uns in Nepal auch bereits in den letzten Wehen. Morgen früh begeben wir uns auf den Weg nach Kathmandu mit zwei Stops in kleineren Dörfern. Von Kathmandu aus werden wir dann auch weiterfliegen in 10 Tagen. Wir haben heute früh beim mächtigen indischen Frühstück festgestellt, dass wir nun bereits 2 Monate weg sind!
Sonntag, 24. Oktober 2010
Dienstag, 19. Oktober 2010
Bye Bye India
Als wir es geschafft hatten, Tickets für den Taj Mahal zu kaufen, ohne einen der gefühlten 1000 Touristenführer anzuheuern, haben wir uns angestellt. Es gab eine Frauen- und eine Männerschlange. Katja war fast sofort drin und mußte mind. 30 Min auf mich warten. Ich stand in meiner vollen Schlange und natürlich in der Sonne. So schmolz ich dahin. Hatte aber nen Reiseführer hinter mir, der gut Englisch und auch bißchen Deutsch konnte. Als Katja am Ende einmal in unsere Nähe kam und was erzählte, meinte er danach zu mir: Da versteht man ja gar nix, so schnell wie die quasselt. Katja durfte mit den anderen Frauen, auch nicht dort stehen, wo sie wollten. Sie wurden regelmäßig mit der Trillerpfeife weggepfiffen, natürlich aus dem Schatten der Gebäude. Letztendlich war es aber schön und schon sehr beeindruckend, Aber wenn wir uns was hätten wünschen dürfen, dann wären wir gerne dort allein gewesen- es war nämlich brechend voll.
Haben noch weitere Attraktionen von Agra angeschaut und sind dann aber gleich weiter in die Stadt der Toten, Varanasi!
Die Gassen hier sind nicht breiter als 1,5m und relativ hohe Häuser = Null Orientierung. Sieht auch alles gleich aus und es ist einen beständige Kuhautobahn. Problem: die ausgewachsenen Kühe sind so breit wie die Straße. Aber die Straße hat im Gegensatz keine Hörner, kann nicht austreten und nicht auf die Schuhe kacken. Wie es hier riecht und wie der Boden aussieht, kann man sich vorstellen, denke ich. Ab und an wird einen Leiche an einem vorbeigetragen und schwups, man hat sich verlaufen. Fragen braucht man auch nicht. Beschreibung sinnlos, weil man alle 10 Meter eine Kreuzung mit 4 Möglichkeiten hat. Hier bekommt man alle 3 Meter alle erdenklichen Drogen angeboten, die ich kenne. So was haben wir noch nie erlebt. Die Inder selbst kauen beständig irgendwelche Sachen und können deshalb nicht richtig sprechen. Haben dann abends das Main Ghat gefunden und das erst Mal die Ganga Artii gesehen. Eine Frau hat uns dann 2 kleine Blumen-Schwimmkerzen-Körbchen angedreht, sie machte es auch sehr nachdrücklich, so dass wir überrumpelt wurden. Wir haben es blöderweise zugelassen, da Katja das immer schon mal machen wollte. Katja also beide zu Wasser gelassen. Danach wollte sie 500 Rs haben, schließlich war es für Vater, Mutter, Schwester, Bruder etc. gaaanz viel Segen. Katja hat erst 5, dann 50 verstanden und dann erst begriffen, dass sie 500 meinte. Am Ende ist sie mit 20 beleidigt abgezogen. Auf dem Rückweg haben wir uns heillos verlaufen. Haben dann in unserem von gitarrespielenden Vorstadt-Hippies der europaeischen Mittelschicht bevoelkerten Hostel so extrem lange auf unsere verdientes Essen gewartet, dass ich geistig schon ausgezogen war.
Es gibt 1000ende Schlepper-Geschichten in den 4 Tagen zu erzählen, besonders aber ein Typ der uns lange verfolgt hat. Den treffen wir jeden Tag wieder und er ruft immer: Hey, my friend. Come to my shop. Unsere Antwort immer: Hey, mayby this afternoon or tomorrow. Dann lacht er und wir klopfen uns auf die Schultern. Die Straßen sind hier wegen der momentan stattfindenden Durga Puja geschmückt und mit Lichterketten beleuchtet. Überall werden Blumenketten angeboten und viel Tam Tam , Zelte mit Durga-Statuen etc.
Sind um 5 Uhr aufgestanden, sollten um halb 6 pünktlich unten am Tresen sein, um mit dem Boot unseres Hausherren beim Sonnenaufgang auf dem Ganges zu schippern. Die Haustür war verschlossen und er nicht da, so vergingen 10 Minuten. Es waren noch 2 Chilenen da, die auch mitwollten. Die resolute junge Dame hat dann bei ihm an die Tür gehauen und gerufen. Da kam unser Shiva zerzaust, zerknittert und verschlafen vom Vorabend gezeichnet heraus und schien von seinem Boot nix mehr zu wissen, waren ihm wohl zu wenig zusammengekommen. Wir uns also mit den beiden anderen zusammengetan und selbst ein Boot genommen. Wenigstens haben wir so Geld gespart. Wollten ja nur mit ihm fahren, um uns loyal zu unserem Guest House zu zeigen. Fahrt in der Dämmerung war schön, aber schon richtig viel los an den Ghats. Hier baden und waschen sich alle morgens bevor sie ihrem was auch immer Tagesgeschäft nachgehen. Die Leute putzen sich mit Zuckerrohr die Zähne, Waschen ihre Klamotten und Kinder oder beten einfach nur. Sind dann am Verbrennungs-Ghat ausgestiegen, der schon weit sichtbar gut in Betrieb war. Hatte heute morgen anscheinend schon viele Kunden. Sind ein paar Zentimeter neben brennenden Scheiterhaufen, aus denen die verbrannten Köpfe rausschauten und auch mal nen Schenkelchen rausfiel, vorbeigelaufen. An eingepackten Leichen, die noch auf ihren letzten Auftritt warteten. Die Atmosphäre ist sehr natürlich. Hunde rammeln und pinkeln Männer an die Beine, die eher einfältigen Holzträger und Aschenkehrer albern und lachen. Wir konnten auch mit ansehen, wie eine Leiche gerade frisch angezündet wurde und der Sohn noch schnell das Tuch zurückgezogen hat und ein Handyfoto gemacht hat. An einem anderen Scheiterhaufen hatte sich der Unterschenkel selbstständig gemacht und ragte nach oben heraus und hatte ganz verkrüppelte Zehen. Später haben sie noch eine Leichte gebracht, die war so dünn, die muss verhungert sein. Über dieser ganzen Szenerie wanderte die blutrote Sonne den Horizont empor. Auf dem Rückweg haben wir dann doch tatsächlich noch eine stinkende Wasserleiche paar Zentimeter neben uns vorbeischwimmen sehen. Also Beweis erbracht, dass Leichen im Ganges schwimmen und umso mehr auf dem Boden liegen.
Hier gibt es auch viel Fisch zukaufen, da der sicher nicht importiert ist, wird er wohl seinen speziellen Gangesgeschmack haben: Abfall-Asche-Seife-Opfer-Leichen-Gemisch, brr. Wie wird hier überhaupt die Wäsche sauber?
Ein Highlight der Stadt für Katja: Eine Hündin mit blutiger Ratte im Maul mit ihrem 3 Welpen, die alle versucht haben, einen Happen abzubeißen und die sie dann durch den Schwanz der Ratte verbunden hinter sich her geschliffen hat.
Haben dann noch unsere erste Durgaprozession gesehen. Ein bunter Elefant voraus, dann eine Art Spielmannszug mit lustigen Uniformen und kleinen Tänzern mit Rüstung und Schwertern und dann der Wagen mit der riesigen Durgastatue und zuletzt die Partygesellschaft mit großen Hifi-Boxen. An den Ghats werden die selbstgebastelten Statuen unter lauten Beifall, Gebrüll, Tanz und Getrommel versenkt.
Ab und zu gibt es Prügeleien und Polizeistockeinsatz, offensichtlich darum, wer seine Statue an welcher Stelle und zu welchem Zeitpunkt in den Ganges hauen darf.
Nachhher gehts dann nach: Der sein Ziel erreicht hat, sagte: 'Wenn ich nicht mehr bin, werden gläubige Menschen (…) vier Orte besuchen (…)'- wo wurde ich geboren?
Machts gut,
eure Schwaratzkies
Samstag, 16. Oktober 2010
no riksha, no room, no hash, no silk, no boat - no problem
Unser 1. Gespräch nach ein paar nötigen Stunden Schlaf der puren Erschöpfung in einem Dreier-Stockbett im Zug verlief folgendermaßen. Katja: „Hast Du gut geschlafen?“ Gerald: „Ja! Erst rechts, dann links, dann Rücken. Und Du?“ Katja: „Ich auch, aber erst rechts, dann Rücken, dann links, dann wieder Rücken und rechts.“ Ihr bemerkt die Tiefgründigkeit unser Gespräche. Da hat sich das Studium der Geisteswissenschaften doch wirklich gelohnt.
Nachdem wir uns von unserem Ausflug nach Spiti erholt hatten, in Form von Essen, schlafen, shoppen, spielen, Sonne genießen, konnten wir dann in Manali noch ein bißchen loslegen.
Flußwanderung am Beas, sehr eng und geröllig, aber hat sich gelohnt. Über Steine geklettert, tolle Natur und beständiges Grollen des Flusses. Erinnnert mich manchmal an Vietnamkriegsfilme, bin auch beständig darauf gefaßt, dass eine Horde Vietkong aus dem Gebüsch bricht. Ich konnte meine kindliche Seite nicht ausblenden und mußte an passenden Stellen möglichst große Steinbrocken in den Fluss schmeißen, super
Haben dann noch ein Canyoning überlebt. Mussten samt Ausrüstung erstmal 1,5h den Berg hinauf klettern, bis wir am Wasserfall angekommen waren. Nachdem ich meinen wetsuit angelegt habe, denke ich, dass ich auch ohne Probleme nun Preßwürste herstellen kann. Mit dem Darmüberziehen haben wir beide nun kein Problem mehr. Das Ausziehen war schlimmer, da hätte ich auf einem Fuß tanzend fast das Zeitlich über einer Klippe gesegnet. Ich habe die Erklärungen über die verschiedenen Haken und Seile nicht vollends verstanden, aber was solls. Wir sind wagemutig gefolgt. Ich bin den 1. Wasserfall hinutergepoltert. Bin zwar eher der robuste Absteiger, aber dafür schnell. Katja hat weniger versucht, den Berg beiseite zu schieben als ich, aber dafür war sie ein bißchen langsamer und eleganter. Mußten durch Steilwände, engere verwinkelte Abschnitte und eine Wand vorwärts aufm Arsch runterrutschen. Da saß man dann etwas suizidär mit über die Klippe baumelnden Beinen vor dem Abgrund. Vor dem letzten Fall war noch ein Abrutschen bei dem man den Kopf hochhalten sollte am Ende. Ich runter und natürlich mit voller Wucht vom Wasserfall in nen Becken gedrückt worden. Als der Guide mich gerettet hatte, konnte ich in ein lachendes Gesicht schauen, wollt ihn hauen, aber er war irgendwie in der stärkeren Position. Dann kam Katja und er zwinkernde mir zu. Natürlich gleicher Fehler, sah aber lustig aus. Hab natürlich auch gelacht. Am Ende des Abstiegs trocknete ein Typ seine Wäsche und hatte nur ne Unterhose an, was aber angenehm für ihn schien. Hat von Katja aber auch nen Keks bekommen. Haben danach auf einer freischwingenden Hänge-Terrasse noch bei entspannter Reggaemucke unser Überleben gefeiert.
Sind dann weiter in das religiöse Manikaran. Keine Europäer, aber eine Menge Pilger. Das Dorf ist komplett auf heißen Quellen gebaut und dampft aus allen Löchern. Der Basar ist ausschließlich auf Inder ausgerichtet- was am Stil der Souvenirs für Inder erkennbar ist. Nennen wir es ehrlicherweise billiger Plastikscheiß. Das Hotel, direkt am Fluß mit Balkon und Blick auf den Tempel ist für 3€ super. Köstlicherweise wurde das Hotel mit Heißwasser angeboten, was natürlich ein ausschlaggebender Punkt ist, wenn man abends in der Kälte noch duschen will. Jedoch hier war es ein guter Trick: Das Hotel hatte einen Hotwater-Pool (eher ein Brunnen) und deshalb bei uns im Zimmer natürlich nur kaltes Wasser. Der Abfluss unseres Waschbeckens geht direkt auf den Boden. Katja stellt richtig fest: Da könnte man sich beim Zähneputzen gleich auf die Füße spucken.
Im besagten Tempel wurden wir sofort vom ehemaligen Stage-Manager von Notorious B.I.G. abgegriffen. Aber nachdem der tot war hat er ein Restaurant in NZ aufgemacht, jetzt macht er allerhand „interantional business“, auch in Berlin- natürlich! Viele Leute kochen ihr Essen in heißen Becken am Fluß, direkt in dem 94° heißen Quellwasser. Hier war Katja auch kurz davor einen Jungen hinzurichten, der einen Welpen mit voller Wucht auf den Boden feuerte. Wir waren nur zu weit entfernt, ansonsten hätte er sich lange an uns erinnert.
An unserer nächsten Station, Mandi, haben wir von den 81 Tempel ein paar gefunden und sind direkt weiter nach Rewalsar, wo wir zum Übernachten in einem schönen Kloster gelandet sind, mit Blick direkt auf den See und Balkon. Ich wollte dann aufs Klo und wollte spülen, ging nicht. Sah mich einer Reihe an Knöpfen und Drehmöglichkeiten gegenüber. Ich war unsicher, wollte ja keinen atomaren Zwischenfall zwischen Indien und Pakistan hervorrufen, wenn meine Notdurft in den Äther geschossen würde. MIt Katjas Zureden mutig den richtigen Hahn gefunden, um erst mal Wasser einlaufen zu lassen.
Da es nun schon beinahe Mittag war und Katja fast verhungerte, mußte Essen her. Klostercafé mit Muffins gefunden. Die sind jedoch schlecht, laut Kellner, erstaunlicherweise immer noch in der Vitrine- lieber nicht nachfragen. Nun denn, den bereits bestellten Tee hat sie ausgetrunken und dann 10m weiter Bratkartoffeln gefrühstückt. Zurück zum See: Hier füttern alle die Fische. Das ist ein unglaublicher Knäuel von Fischen, da hätte man nur nen Käscher reinhalten müssen. Aber da die wohl heilig sind, hätte ich wohl die Beine in die Hand nehmen müssen.
Danach haben wir auf der Terrasse gespielt und wie es kommen mußte, wurden wir von Affen attackiert. Wir haben vorerst den geordneten Rückzug angetreten aufgrund unausgeglichener Waffenstärke. Mein Zähnefletschen reichte trotz meiner beachtlichen Hauer nicht aus. Ich also sofort Messer und alles, was mir nötig schien unter die Arme gepackt und wollte wieder raus, mein Territorium bis aufs Blut verteidigen. Schließlich saß der da draußen mit UNSEREN Keksen und aß sie vor MEINEM Fenster. Auf eine derartige Provokation muss ein Exempel folgen, dachte ich mir. War zwar erstaunlich riesig, aber Gerkules würde das schon irgendwie hinkriegen. Katja fragte mich dann, was ich mit der Leiche machen würde-guter Einwand- doch in meinem Blutdurst sagte ich: Über die Brüstung in den Hof schmeißen. Woraufhin sie sanft antwortete: Gerald, wir wohnen in einem buddhistischen Kloster. Na gut, noch mal Glück gehabt Keule, aber noch mal kommste mir nicht davon.
Haben dann noch ne Rikscha zur Kammspitze genommen, um dort eine Padmasambhava-Höhle anzuschauen. Gefahren ist nicht der Anheuerer, sondern sein zotteliger, bekiffter und stinkender Freund (für alle Freunde von „Notting Hill“: Dies ist mein Mitbewohner, für ihn gibt es keine Entschuldigung), dem wir total vertrauen könnten. Das Plätzchen war malerisch oberhalb eines Bergsees gelegen. Sind dann noch etwas höher durch 1000ende Gebetsfahnen geklettert, Katja hat dann einen 1,5m Varan entdeckt. Ich war hin und weg. Er leider auch. Katja ging weiter und ich habe mich mit Kamera direkt vor seiner Höhle positioniert. Er kam dann auch wieder raus und ich konnte ihn fotografieren.
In Shimla war Gerry erstmal ein bißchen krank- 3 Tage. Katja ist mit einem Engländer, den wir aus Manali kannten zum „Affentempel“ gelaufen. Die beiden wunderten sich noch, warum um die Affen so viel Buheis gemacht wird, die waren ganz friedlich. Trotzdem die Kameras natürlich fest umschlungen und wenn möglich in der Tasche. Doch dann sprang unversehens von hinten einer den Briten an und entriss ihm die Sonnenbrille. Ein Gärtner erledigt die Sache ohne Blutbad: Als er sich dem Affen näherte, gab dieser die Brille frei und trollte sich. Die beiden fragten sich berechtigterweise, was der Mensch denen angetan haben muss in der Vergangenheit. Schon längst außerhalb des Tempelbereichs wurde Katja dann doch noch von hinten attackiert. Zum Glück geistesgegenwärtig an die Brille gegriffen und den Affen abgeschüttelt. Gesiegt
Waren noch in einem Schloß und haben eine Führung gemacht, der Guide hat uns 100x erzählt, dass die Elektrizität vor 120 Jahren von deutschen Ingenieuren installiert wurde und immer noch ohne Reparatur läuft. Jaha! Dann sind wir wieder runter zur Straße marschiert und auf einen Bus gesprungen. Ich konnte mir die Actionsequenz nicht nehmen lassen und hing beim Anfahren noch vor der Tür. Wurde zum Glück hineingezerrt.
Wollten dann nach Rishikesh fahren und sind im Dunkeln zum chaotischen Busbahnhof gelaufen. War natürlich voll und schwer den richtigen Bus zu finden. Ohne Hindi eigentlich unmöglich. Alle erstürmten den Bus, schubsten, drängten, schrien, keine Rücksicht. Wir mit unseren Rucksächen vorne und hinten wie zwei große herumgeschubste Spielbälle mittendrin. Irgendwie reingekämpft mit Gepäck, aufm Dach nur Kartoffelsäcke. Hatten zum Glück zwei Plätze reserviert-der Bus war höllenvoll, alles andere, was wir bislang erlebt und als ausreichend empfunden hatten, war Kindergarten im Gegensatz hierzu. Unsere Rucksäcke lagen im Gang und füllten ihn damit komplett aus und auch 50 cm hoch. Und da hier erst mal 50 min ein Kommen und Gehen herrschte, bevor es losging, sprangen und hechteten und trampelten alle auf ihnen herum. Ich hatte Ellenbogen, Füße und Ärsche im Gesicht. Als wir dann unsre 10h Fahrt begannen, stand der Gang voller Leute, die die 10h auch so verbrachten. Harte Jungs, die konnten nicht mal sitzen.
In Rishikesh gibt es noch den Ashram, in dem die Beatles einige Zeit geweilt haben und angeblich den Großteil ihres White Albums komponiert haben. Zum Sonnenuntergang sind wir zu den Ghats (Treppen am Wasser) in den Ashram gegangen. Haben eine sehr schöne Zeremonie gesehen, bei der ganz viele Jugendliche und Kinder Kerzen schwingen und Mantras singen. Saßen noch ein bißchen draußen und haben zwei Bettelkinder beobachtet, die von ihrer Mutter gehetzt wurden, die geifernd jeden Erfolg ihrer Kinder mit einem ekelhaften Lächeln bedachte und jeden Mißerfolg wütend beobachtete. Sonst zählte sie raffgierig ihr Geld. Eines der beiden war verkleidet wie Shiva mit Plastikschlange und Perücke und Tigerfell etc. Beide haben dann untereinander heimlich noch Geld gezählt und getauscht, damit ja keiner mehr als der andere hat und keinen Ärger bekommt. So sieht hier manchmal die Kindheit leider aus.
Es sieht aus wie eine Traene auf der Wange der Zeit und Sonne und Mond weinen bei meinem Anblick. Wo sind wir wohl?
Viele Schmatzkies von euren Schwaratzkies
(....und Danke an Eileen fuer DIESE Wortschoepfung)
Samstag, 25. September 2010
zu hoch und zu tief
In Manali haben wir noch ein paar Wanderungen (in der Sonne!) gemacht - natürlich in Gefolge einiger Straßenköter, die sehen in Gerry wohl gewissermaßen einen ihrer Art angehörigen Schutzpatron. Abends lud der Herbergsvater zum knochigen Chicken Curry. Offizielles Projekt einiger unserer Mitbewohner: Auf die Apfelbäume schauen und warten bis einer hinunterfällt, das nenne ich innere Einkehr! Ach ja, und einen Schotten mit Typhus haben wir auch hier.
Wir sind ins Solang-Tal gelaufen, DEN berühmten Skiort hier. Nach knapp 4h in der Hitze haben wir versucht abzukürzen und sind natürlich nach mehreren Stacheldrahtzäunen in einem Militärgebiet gelandet. Was macht man nicht lieber hier in dieser 'stabilen' Region. Wurden natürlich auch prompt nach paar Minuten von einem Jeep aufgelesen. Katja mußte mit den Soldaten Bilder machen; ich durfte fotografieren. Das stärkt nicht das Selbstwertgefühl, aber wenigstens wurden wir nicht erschossen. Endlich im Tal mit Vorfreude auf ein Skihotel und VIEL Essen wurden wir enttäuscht. Slums, Baustellen und Baracken. Aber man hätte Reiten, Paragliding und Zorbing machen können. Wir sind dann für 12€ (der Preis für 3 Nächte Hostel!) mit dem Lift nach oben. Dort sind wir in die im Bau befindliche Station eingefahren, was schon ein bißchen bedrohlich wirkte. Zum Glück gab es einen Imbiß, sonst hätten wir ein paar Schäfer um das ein oder andere Schaf erleichtert.
An Katjas Geburtstag sind wir zum Rothang La (Pass) gefahren. Es gab sogar zwei (trockene) Stück Kuchen aus der German Bakery. Auf knappe 4000m ging die Fahrt. War ziemlich grenzwertig und wir hatten alle paar Minuten Nahtod-Erlebnisse. Steinschlag, Abgründe, Schlamm, steckengebliebene LKW, die mit Lebensmüdigkeit überholt wurden. Naja, wir sind oben angekommen. Katja hat mit 2 anderen einen Pferde-Trek gemacht und den höchsten Punkt überschritten. Ich wollte laufen, aber war anstrengend, da die Steigung, Höhe und die Sonne mich ziemlich mitgenommen haben. Habe danach bereut, nicht auch die Pferde genommen zu haben. Katja meint, sie hätte so was Schönes noch nie gesehen und die Bilder sprechen für sich. Die Urlaubsinder aus dem Süden, leihen sich Schneeanzüge aus den 80ern aus, wenn sie da hochfahren. Einteiler mit Neon-Farben und Gummi-Po-Verstärkung. Scheint wohl sehr lässig zu sein. Eine hatte auch nur Schneehandschuhe und Gummistiefel an, bewegte sich den ganzen Tag wie R2D2, weil sie sich nicht getraut hat die Hände runter zu nehmen, wahrscheinlich dachte sie, die Handschuhe fallen sonst ab.
Katja wird hier ständig nach Schuheputzen gefragt und ist schon ein bißchen beleidigt, weil sie nur sie fragen. Mein Problem ist Safran! Ich habe aber ein Gegenmittel gefunden: Ich sage immer: „Ne, sorry- ich komme aus Safran, aus dem Königreich Safran.“ Einen kleinen Jungen konnte ich fast überzeugen.
Dann gings weiter mit unserem Shared-Taxi nach Spiti. Also doch wieder über den Paß, viel Glück. Wir gerieten jedoch auf dem Kunzum La bereits in einen Schneesturm, weiter unten regnete es. Wir froren erbärmlich. Im Dorf angekommen: Duster, Regen, kalt, alles zu, überall Stromausfall und nur Hunde auf der aufgeweichten Straße. Haben heiße Suppe bei Kerzenschein gegessen (Tib Thukpa) und Momos und natürlich Tee getrunken.
Sind zu Klöstern geklettert und haben in deren Keller entdeckt, dass die Mönche da fleißig am PC zocken. Die Kletterei auf der Höhe war ziemlich anstrengend. Katja steckt es besser weg als ich. Sind dann mit dem Bus nach Kibber hinaufgefahren. 1h Fahrt für 30Cent. Mussten in nen Bus reinfragen und vertrauen, Fahrpläne gibts ja nicht. Es war bombenvoll mit aufm Schoß sitzen etc. Angekommen: Ein Dorf im Nirgendwo. Hier hört die Welt auf. Aus der riesiegen Speisekarte konnten wir zwischen Pizza und Nudeln wählen. Hier muß man immer fragen, was sie haben, die Karten kann man vergessen. Zum Frühstück konnten wir zwischen Cornflakes mit Milch und Cornflakes mit Milch und Banane wählen. Starke Auswahl. Das Dorf ist rau und bergig, so wie Katja es mag. Ansonsten keine Läden für Essen und Wasser etc. Die sind wirklich nur für sich da. Sind 9km den Berg runtergelaufen zum Kloster Ki. Sehr schöne Wanderung und bergab war super. Grandiose raue Landschaft. Haben natürlich auch abgekürzt über steile Abhänge, was auch mit Blessuren verbunden war. Es ist ein Privileg in so einer zeitlosen Mondlandschaft zu Fuß so viel Zeit zu haben. In Ki gibt es eigentlich nur ein Kloster, zu dem wir leider nach oben marschieren mußten- unglaublich anstrengend. Haben im Tal noch mehr Ausflüge gemacht und die Zeit im Himalaya sehr genossen. Nun brauchen wir aber auch mindestens 2 Tage Zeit uns von den Höhen-Strapazen und den damit verbundenen Krankheiten zu erholen.
Neue Fotos sind in der Galerie, ab jetzt über Picasa.
Eure Schwaratzkies
Dienstag, 14. September 2010
"want trekking? no? smoke hash?"
Heute Morgen ist nun der dritte Tag in Manali angebrochen. Vorab für alle, die an Geschichte interessiert sind: Wir wohnen in Wurfweite des Flusses Beas, an dem Alexander der Große zwei Jahre vor seinem Tod (323) scheiterte, weil seine Männer diesen nicht überqueren wollten. Ich würde ihn hier auch nicht überqueren wollen (besonders bei dem Regen), aber es wird wohl noch schlimmere Ecken geben, wenn die nach so einem Marsch hier aufgeben.
Unsere 10h Busfahrt war diesmal in einem kleineren Wagen mit 9 Plätzen. Sie begann um 20.30h. Zwei Mönche, sonst nur Europäer. Um 23.30h hielt unser Fahrer an und schrie „Dinner“. Woraufhin er schnurstraks dinnierte und alle anderen noch benommen im Bus saßen, während er bereits sicherlich seinen 4. Momo zwischen den Kiemen hatte. Dann suchten sich alle ein Plätzchen für das Geschäftchen und warteten ca. 1 Stunde auf unseren hungrigen Fahrer. Dann ging es schließlich weiter. Um ca. 3:30h stoppte er plötzlich wieder und verschwand in einem abgewrackten Hotel im Nirgendwo. Als wir alle erwachten, fragten wir uns, wo er denn nun verblieben sei. Nach 1,5 Stunden kam er wieder und fuhr einfach weiter. Unser Tip: Entweder Huren oder einfach nur gepennt. Aber dennoch angekommen.
Wir wohnen hier in einem kleinen, schönen Gästehaus mit Terrasse, einem Balkon und einem sehr netten Herbergsvater, der uns auch morgens immer Frühstück zaubert. Die Gegend hier ist berühmt für ihr „Gras“ und so ist auch er ab 6.30h mit entsprechenden Zigaretten im Mund zu erkennen und nach 9h sollte man seinen Informationen nicht mehr viel Vertrauen entgegenbringen. Wir wohnen direkt unter Apfelhainen und hier ist gerade auch die Ernte (Haben auch schon beim Essen den einheimischen Cidre und Apfelsaft probiert). Ansonsten ist es natürlich sehr bergig, aber wunderbar friedliche Natur.
Am Tag der Ankunft haben wir die Umgebung erkundet und die naheliegenden Tempel besucht, denn es regnete erstaunlicherweise nicht. Am gestrigen Tag konnten wir nur abends zum Essen das Haus verlassen, da der Monsun uns fest in der Hand hat. Heute ist es auch wieder komplett zugeregnet.
Das Wetter bestimmt unsere Reise momentan sowieso immens. Unser Herbergsvater sagte gerade, dass er so schlimmes Wetter noch nie erlebt habe. Falls ihr es mitbekommen habt: Delhi ist nach unserer Abfahrt überspült worden, da haben wir noch mal Glück gehabt. Die Pässe für unsere Weiterfahrt scheinen im Moment unpassierbar zu sein, dabei wollten wir heute Abend oder spätestens morgen früh weiterziehen. Wir berichten, wie es weitergeht. Ich sammle schon mal Tiere für die Arche…..





